Entscheidungen und ihre Folgen – kannst DU in deren Richtigkeit vertrauen?


Januar 22, 2017 0 Kommentare

Entscheidungen und ihre Folgen

„Mein Wecker klingelt und ich drehe mich nochmal um. Nur fünf Minuten. Es werden natürlich fünfzig Minuten und ich bin – gelinde gesagt – am Arsch! Okay, keine Panik, die Zeit reicht noch! Kaffee aufsetzten, schnell duschen, rein in den Anzug, Kaffee exen, Tasche packen. Fuck, wo ist mein scheiß Portemonnaie? Ich kriege gerade die Vollkrise! Egal jetzt, fürs Mittagessen leihe ich mir Kohle und muss dann eben mit dem Fahrrad fahren, da ich schlechte Erfahrungen mit der Schwarzfahrerei gemacht habe. Auf meiner Strecke scheint es einen schweren Unfall gegeben zu haben, jedenfalls muss ich einen Umweg fahren, da es einfach keine Chance gibt, da durch zu kommen. Warum? Warum ich? Warum heute? Jeder verdammte Scheißtag hätte besser gepasst! Ich komme ins Meeting, etwa 10 Minuten nach dem Start, und bekomme gerade noch mit, wie die Kollegen applaudieren und dem dämlichen Mats anerkennend die Schulter klopfen. Ich würde ihm gerne die Fresse polieren und mir gleich mit. Qualifikation, Team, Zeitpunkt, Vertrauen des Chefs. Es hätte mein Tag werden sollen, und allen war klar, dass das mein Projekt und mein Durchbruch ist. Nur meinem Wecker nicht.
Wie der Tag weiter ging, weiß ich nicht. Es war der beschissenste Tag, ich war am Boden zerstört und alles nur, weil ich entschieden habe, noch ein paar Minuten zu schlafen. Eine schlechte und falsche Entscheidung. Alle Arbeit der letzten Jahre für die Tonne. Am Abend erfahre ich, dass es mein Bus war, der einen Zusammenprall mit einer Straßenbahn hatte, bei dem es 17 schwer und einige leicht Verletzte gab. Wäre auch ich unter den Verletzten gewesen? Einige Monate nachdem das Großprojekt vergeben wurde, stellt sich raus, dass der gesamte Auftrag eine große Blase war, die nun platzte. Mats Arbeit, sein Einsatz, sein Geld, seine Zeit. Geplatzt. Seine Kariere erstmal ruiniert. Alles, weil ich entschied, noch einen Moment zu schlafen. Alles, weil ich anstelle der Snooze-Taste den Aus-Knopf gedrückt habe.“

Wer sagt, ob eine Entscheidung gut oder schlecht, richtig oder falsch ist?

Mein fiktiver Charakter hat Entscheidungen getroffen. Erstmal nicht mehr, aber auch nicht weniger. Als er die Entscheidungen traf, ging es erstmal nicht darum, eine bewertbare Entscheidung zu treffen. Er hat lediglich entschieden, sein Portemonnaie morgen aus seiner Sporttasche zu nehmen und noch ein paar Minuten liegen zu bleiben. Wagst Du an dieser Stelle schon eine Bewertung? An diesem Tag fand mein Charakter seine Entscheidungen ganz fürchterlich, Mats eher nicht so. Mit etwas Luft und Abstand zu den Geschehnissen, haben allerdings beide ihre Meinung geändert. Entscheidungen gehören getroffen, so wie wir es sekündlich tun. Nicht bewertet, denn das Große und Ganze sehen wir nicht. Entscheidungen zu treffen erfordert Vertrauen, keine Bewertung. Und Mut.

Warum rational, wenn es auch anders geht?

Mein Charakter ist ein vernunftbegabter Mensch, wie auch ich einer bin. Nur im Gegensatz zu mir, wägt er immer alles ab, macht Listen, analysiert, sucht nach Pro und Contra, bedient sich aller möglicher Techniken um seine Entscheidungen zu fällen. Warum er das tut? Um sich einzureden, die Dinge kontrollieren zu können. Seine Entscheidung, das Portemonnaie in der Sporttasche zu lassen, war sicher nicht das Ergebnis eines Entscheidungsbaums. Der Entscheidung, noch einen Moment zu schlafen, ging sicherlich auch keine Pro- und Contra-Liste voraus. Wir treffen am Tag tausendfach Entscheidungen aus dem Bauch heraus, da helfen uns keine Listen und Bäume, nur unser Gefühl.

Egal ob mit oder ohne Liste: Jede Entscheidung die Du triffst, ist gut und richtig. Weil DU die Person bist, die sie trifft!

Was unterscheidet schwierige von leichten Entscheidungen?

Klar gibt es Entscheidungen, die uns einiges abverlangen und es gibt welche, die wir ganz automatisch und leicht fällen. Aber warum ist das so? Die Antwort ist nicht so schwer: Weil wir uns vorgaukeln, irgendwas kontrollieren zu können. Ja, wir lassen uns von einer Art Lebensidee leiten, haben eine Vorstellung davon, wo die Reise hingehen soll. Aber ist das so sinnvoll? Wir richten alles auf etwas Übergeordnetes aus, aber ein ungeplanter Schritt, eine seltsame Wendung, und dann? Vielleicht das große Glück, aber nicht das ehemals übergeordnete Ziel! War jetzt alles umsonst, ist irgendwas falsch gelaufen? Nein, denn es hat Dich dahin gebracht, wo Du jetzt stehst. Und das ist gut so. Die Entscheidung, ob Du den Job kündigst der Dich nicht glücklich macht, sollte Dir eigentlich nicht schwerer fallen als die Frage, ob Du lieber Marmelade oder Nutella zu Frühstück willst! Wenn da nur nicht immer diese Angst wäre.

Wie werde ich die Angst vor Entscheidungen los?

Gar nicht. Aber: Es gibt Angst und es gibt Angst! Es gibt einmal die Angst, die Dich schützt dummes zu tun. Die Dich aufmerksam sein lässt und Dich von den ganz groben Schnitzern fernhält. Aber dann ist da noch die Angst die dich lähmt, die dich zwingt, deine Komfortzone niemals zu verlassen und die dir zuflüstert, dass du die Kontrolle hast. Diese Angst ist der gemeine Gegenspieler des Vertrauens.

Wie bei den meisten Menschen, ist auch meine Erziehung sehr durch das Mutterschiff geprägt. Meine Mutter ist ein eher ängstlicher Mensch. Sehr ängstlich. Eigentlich ist sie die ängstliche Person, die ich kenne. Toll, aber ängstlich. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass ich 38 Jahre alt bin und seit 22 Jahren für dasselbe Unternehmen arbeite. Schlicht weil mir der Mut fehlte etwas zu ändern. Es ist ein tolles Unternehmen, versteh‘ mich nicht falsch, und ich habe mich von unten nach oben und von rechts nach links gearbeitet. Trotzdem wollte ich immer etwas ändern, aber eine Entscheidung zu treffen habe ich mich nicht getraut. Ich habe im Leben viele vermeintlich falsche Entscheidungen getroffen, habe Umwege und Abkürzungen genutzt, um jetzt da zu stehen, wo ich stehe. In meinem großen Glück. Eine großartige Frau, einen bezaubernden Sohn, zwei liebende Familien und treue Freunde, die ich auch meine Familie nennen darf.

Susan Jeffers schreibt in ihrem Buch “Feel the fear and do it anyway”: „Ja zu sagen heißt, aufstehen und der Überzeugung gemäß handeln, dass Sie allem, was das Leben Ihnen bringt, Sinn und Zweck geben können.“

Ich habe mich meiner Angst gestellt. Ich habe meinen Job gekündigt, mich heute (12.01.) für ein Fernstudium angemeldet, weil ich nicht mehr „Ja“ sagen konnte und wollte. Beides spontan, ohne Listen und ohne großes Kopfzerbrechen. Ich werde zwei Jahre Zuhause bleiben und meinem kleinen Sohn ein Begleiter sein. Statt Brillen werde ich Möbel bauen, statt Dozent werde ich Student sein. Ich habe Angst, ja. Ich habe aber auch Vertrauen, denn auch dafür habe ich mich entschieden. Hell yeah, sich für Vertrauen zu entscheiden, ist die beste Entscheidung. Habt Vertrauen!

 

PS: Die Freundin meines fiktiven Charakters hat sich getrennt und lebt jetzt mit Mats zusammen. Ihr hat Mats Umgang mit all den Ereignissen so imponiert, dass sie einfach nicht anders konnte. Seltsame Wendung…

 

(geschrieben von James Grogan)

 




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