Klarheit in Liebesbeziehungen. Eine Entscheidung.


Januar 31, 2017 0 Kommentare

Klarheit in Liebesbeziehungen.

Transparenz, die Abwesenheit von Verunreinigung, von Trübung - Reinheit. All das impliziert der Begriff 'Klarheit'. Klarheit in Beziehungen. Konkreter in Liebesbeziehungen. Was bedeutet das? Ein paar Gedanken.

Wir sind, in allen Lebensbereichen und insbesondere in einer Partnerschaft, bestrebt, möglichst viele angenehme, von uns als positiv bewertete, Empfindungen zu spüren. Unangenehme, schmerzliche und folglich als negativ bewertete Empfindungen, meiden wir wenn möglich. Das ist menschlich. Und führt doch, wenn wir in Unklarheit mit uns selbst sind, immer wieder zu Trennung.


Wir trennen uns von den vermeintlichen Auslösern unseres Unbehagens, unseres Schmerzes. Und wir fürchten, dass unser Partner sich auch von uns trennen wird, wenn die Beziehung für ihn dauerhaft mehr unangenehme, als angenehme Empfindungen bereithält. Also wägen wir ab, versuchen zu kalkulieren. Wir überlegen genau, wie wir uns präsentieren, was wir von uns zeigen, um nicht zu riskieren, zu viele unangenehme Empfindungen in unserem Partner auszulösen. Und eben dieses Verhalten erwarten wir, bewusst oder unbewusst, auch von unserem Gegenüber. Wir versuchen das, was wir als Verunreinigungen für unsere Beziehung erachten, wie Gefühle der Eifersucht, des Zweifelns, des unzufrieden Seins, etc., von uns fernzuhalten. Entweder, indem wir diese Empfindungen zurückhalten, darüber schweigen, sie verleugnen oder indem wir unseren Partner in vorwurfsvoller Haltung, in Form eines Angriffs, für eben diese verantwortlich machen. Wir agieren und unser gegenüber reagiert. Oder andersrum. Und wir suchen den vermeintlichen Verantwortlichen für unser Leiden außerhalb unseres Selbst und finden ihn.

Ich glaube, dass das einer der Hauptgründe für das Scheitern von Beziehungen ist: die Wechselwirkung aus der Erwartung, glücklich gemacht zu werden und/oder den Partner glücklich zu machen und die Frustration, wenn das dann nicht klappt. Weil es nicht klappen kann. Weil andere Menschen oder äußere Faktoren lediglich Auslöser, aber nicht Ursache von Freud und Leid sind. Was nicht in uns ist, kann auch nicht von außen ausgelöst werden.

Jetzt denkst du vielleicht: 'Ist ja schön und gut, theoretisch verständlich, haben wir ja auch irgendwie schon tausendmal gehört. Aber es fühlt sich einfach scheiße an, wenn ich die ganze Wohnung aufgeräumt, eingekauft und gekocht habe um mit meinem Liebsten einen romantischen Abend zu haben, damit der dann kurzfristig anruft um Bescheid zu geben, dass es heute (mal wieder) spät wird. Ist es nicht normal, dass ich dann enttäuscht und vielleicht sogar wütend bin?'

Stell dir mal folgendes vor: kurz nachdem dein Partner anruft um seine Verspätung durchzugeben, hast du deine verheulte beste Freundin am Telefon, die eben von ihrem neuen Freund verlassen wurde (dass der Typ unmöglich ist, hast du ihr von Anfang an gesagt!) und fragt, ob sie jetzt sofort vorbei kommen und den Abend mit dir verbringen kann.
Was denkst du, bist du jetzt immer noch so sauer und enttäuscht?

Worauf ich, mit diesem zugegebenermaßen etwas stereotypen Beispiel, hinaus will: ob wir eine Situation als positiv oder negativ bewerten und uns infolge dessen gut oder schlecht fühlen, liegt ausschließlich an und in uns selbst.  

Wenn wir das verinnerlichen und versuchen die Erwartung aufzugeben, unserer Gegenüber sei für unser Glück verantwortlich und wir für das Seine, dann haben wir die Möglichkeit, mehr Klarheit mit uns selbst und in Folge in unserer Partnerschaft zu erlangen.

Für mich persönlich stellte sich an diesem Punkt oft die Frage, wie ich, auf Basis dieses theoretischen Wissens, nun konkret agieren soll. Jeder für sich, mit sich, in sich und trotzdem zusammen? Wo genau findet dann überhaupt noch dieses 'Zusammen' statt?
Soll ich dann nicht mehr sagen, wenn es mir mit etwas nicht gut geht oder ich Wünsche und Bedürfnisse habe, weil mein Partner ja im Grunde gar nichts damit zu tun hat? Soll ich alles mit mir selbst ausmachen und mich nicht mehr öffnen?
Ich denke, das Gegenteil ist der Fall.

Wenn wir in Momenten der Wut, Enttäuschung, Eifersucht versuchen:

1. kurz INNEZUHALTEN und unsere Gedanken, sowie die resultierenden (unangenehmen) Empfindungen WAHRZUNEHMEN, und zu REFLEKTIEREN, wird uns schnell klarer, woher der Wind wirklich weht: dass es unsere eigenen (konstruierten) Gedanken und Bewertungen sind, aufgrund derer wie uns fühlen, wie wir uns fühlen.

2. ANZUNEHMEN was ist. Auch wenn die vorherrschende Empfindung noch so schmerzhaft ist: sie ist die Realität des gegenwärtigen Moments. Jeglicher Widerstand ("warum bin ich nur so misstrauisch? Ich will das nicht, ich will endlich vertrauen können!") erzeugt nur noch mehr Stress.

... dann haben wir schon mal einen kleinen Raum geschaffen, zwischen uns und unseren Empfindungen. Haben dem wilden Sturm den Emotionen Gelegenheit gegeben zu toben, ohne dabei Schaden anzurichten. Haben aus der nötigen Distanz dabei zugesehen, wie er nach und nach abebbt - und sich vielleicht ganz beruhigt.   

Vielleicht ist es dann gar nicht mehr nötig, deinen Partner ins Vertrauen zu ziehen. Vielleicht aber auch doch. Manchmal hilft ein offenes Ohr, eine haltende Hand oder ein liebevolles Wort dabei, unangenehme Momente anzunehmen.

Und ich finde die Bezeichnung 'ins Vertrauen ziehen' oder 'sich anvertrauen' so schön, denn genau darum sollte es doch gehen: sich zeigen zu dürfen, mit allein seinen Farben. Sich (ver)trauen. Seine eigenen Empfindungen und Bedürfnisse wachsam aufzuspüren und wenn nötig ganz offen zu kommunizieren. Zu sagen, womit wir uns schwer tun und was uns vielleicht gut tut.
Ohne anzuklagen, ohne verantwortlich zu machen.  

Wahrnehmen, reflektieren, wenn möglich annehmen und kommunizieren was in uns passiert. Das hilft mir zu mehr Klarheit mit mir und in Folge in meiner Beziehung.
Dir vielleicht auch?

 

(geschrieben von Carla Dalla Torre)




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