Wie wir erzogen wurden, unehrlich zu sein


April 06, 2017 0 Kommentare

Zum Thema Ehrlichkeit 

In meinem letzten Artikel habe ich darüber geschrieben, warum uns ein Mangel an Ehrlichkeit anfällig für Stress macht. Spannend sind in dem Zusammenhang die Fragen, warum es uns so schwer fällt zu sagen, was wir wirklich denken, fühlen und wollen. Warum wir so große Schwierigkeiten damit haben, unsere Bedürfnisse und Gedanken, Wünsche und Meinungen klar zum Ausdruck zu bringen?

Eine Antwort auf diese Fragen ist: weil wir dazu erzogen wurden, unehrlich zu sein.

Aber von Anfang an: Babys und Kleinkinder sind ihrem Naturell nach zunächst einmal absolut ehrlich. Sie erleben und drücken das Erlebte unmittelbar und ungefiltert aus. Sie haben kein Konzept von Strategien und manipulativen Mechanismen. Wir Erwachsenen tolerieren das nicht nur, wir schwärmen sogar von der 'kindlichen Unbedarftheit'. Und dennoch ersticken wir die Ehrlichkeit, die Unbedarftheit und Echtheit unserer Kinder, indem wir irgendwann damit beginnen, sie zu erziehen.

Erziehung folgt immer dem gleichen Schema: Der Erziehende manipuliert das Verhalten des zu Erziehenden, indem er erwünschtes Verhalten positiv verstärkt und unerwünschtes Verhalten sanktioniert. Dem Ganzen liegt die Haltung zu Grunde, dass der zu Erziehende so wie er ist, nicht okay ist und bewusster Formung bedarf. So einfach ist das. Das große Problem daran: Kinder unterscheiden nicht zwischen ihrem TUN und ihrem SEIN. Sie können nicht zwischen Kritik/Lob an ihrer Handlung und Kritik/Lob an ihrer Person unterscheiden. Sie lernen, dass Menschen andere Menschen permanent bewerten und dass der Wert eines Menschen zu großen Teilen davon abhängt, wie er sich verhält.

Die Folge: das erzogene Kind erlernt Strategien um zu gefallen und Sanktionen zu umgehen. Es lernt sich zu verhalten. Völlig egal, ob dieses Verhalten aus einem ehrlichen Bedürfnis heraus entsteht oder nicht. Es lernt die eigenen Bedürfnisse zu verleugnen und stattdessen zu lügen. Eine weitere Folge: das erzogene Kind lernt, dass sich Kritik an Äußerungen und Handlungen anfühlt wie eine Zurückweisung der ganzen Person und nimmt diese Lektion als Konditionierung mit ins Erwachsenenalter. Kritik wird als etwas sehr negativ besetztes empfunden. Kritische Worte auszuhalten, sowie auszusprechen, fällt dann schwer - viel zu groß ist die Angst vor verletzten Gefühlen und Ablehnung.

Der erzogene Erwachsene hat den Glaubenssatz kultiviert, dass Unaufrichtigkeit schützt. Ihn selber und andere.

Viele von uns haben gelernt, dass die eigenen Bedürfnisse nicht ernst genommen werden oder sogar Ablehnung hervorrufen und dass es nicht unbedingt okay ist, dass wir uns fühlen, wie wir uns fühlen. Wir haben gelernt, dass es besser ist 'so zu tun als ob', statt aufrichtig zu sein und wir haben gelernt, dass Unehrlichkeit scheinbar besser für uns funktioniert. Scheinbar. Denn Unehrlichkeit schafft zum einen eine Distanz innerhalb unseres Selbst, sowie zwischen uns und unseren Beziehungspartnern und verhindert echte Nähe, echte Intimität.

Zum anderen ist da eine ständige, diffuse Angst. Die Angst, dass jemand erfährt, wer wir wirklich sind, was wir wirklich denken, fühlen und wollen.

Dass wir in Folge Ablehnung erfahren. Nicht mehr gemocht oder geliebt werden. Das erzeugt Stress. Dass das so ist, zeigt eines glasklar auf: wir lehnen uns selbst häufig für das ab, was in uns ist. Halten uns nicht mehr für liebenswert, wenn wir Angst haben, wütend oder traurig sind. Wenn wir etwas nicht tun wollen, von dem wir denken, dass es ein anderer von uns verlangt. Weil wir dazu erzogen wurden. Immer und immer wieder bewertet wurden und uns nun selber ständig bewerten.

Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir einhaken. Können lernen, Bewertungen über uns selbst und andere zu beobachten und ihnen durch die bewusstere Beobachter-Perspektive Kraft zu nehmen. Wenn wir einen bewussteren Umgang mit unseren Bewertungen schaffen, können wir lernen uns selbst und andere ehrlicher anzunehmen - mit jeder Empfindung, mit jedem Gedanken, mit jeder Emotion.

Und nur wenn uns das gelingt, können wir anderen Menschen erlauben, uns auch ganz anzunehmen. Indem wir ehrlich sind und uns zeigen. Als das, was wir in diesem Moment sind. 

Deine Carla | KLARHEIT




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